Udemy

Macht E-Learning Schulen überflüssig?

09.05.2018


Mit einer Plattform wie Udemy wird sich jeder Mensch mit Zugang zum Internet an jedem Ort der Erde selbst die Bildung verschaffen, die ihm seine Zukunftschancen sichert. Die Bedeutung des lebenslangen Lernens nimmt weiter zu, denn die Digitalisierung macht unsere Arbeitswelt rasanter und komplexer.


Und dieser Wandel bleibt nicht ohne Folgen. Viele alte Berufe werden durch technologische Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz, Robotik und Biotechnologie verschwinden. Eine Veränderung, die im ersten Augenblick dramatisch klingt. Allerdings werden auch viele neue Berufe entstehen. Schätzungen zu Folge werden zukünftig etwa 65% der heutigen Grundschüler in Berufen arbeiten, die es aktuell noch nicht gibt und von denen wir uns heute noch keine Vorstellung machen können. Arbeitnehmer sind daher mehr denn je gefordert, neben der Offenheit gegenüber neuen Technologien, vor allem eine Bereitschaft für ein lebenslanges Lernen mitzubringen, um ihr Know-how ständig den neuen Herausforderungen anzupassen.
Udemy: Auf dem Weg das Lernen zu revolutionieren


Das Online-Portal für E-Learning Udemy hat sich das Thema Lernen zur Aufgabe gemacht. Das junge Start-up aus dem Silicon Valley ist in Europa und Deutschland noch recht unbekannt, aber es kann gut sein, dass Eren Bali, der Erfinder dieser E-Learning-Plattform, in Zukunft in einem Atemzug mit Mark Zuckerberg genannt wird. So wie Zuckerberg die soziale Kommunikation im Netz mit Facebook revolutioniert hat, so haben Bali und die Udemy-Macher den ganzen Bereich des digitalen Lernens auf den Kopf gestellt.


Unglaublich: E-Learning gibt es schon seit über 50 Jahren


Man mag es kaum glauben, aber die Idee, verschiedene Dinge auf elektronischem Wege zu erlernen, ist schon mehr als 50 Jahre alt. Einen ersten Hype erlebte das Thema unter dem Stichwort “Computer Based Training“ (CBT) bereits in den 80er Jahren und mit der Öffnung des Internets für Jedermann gab es immer wieder Ansätze, Kurse über das Web verfügbar zu machen. “E-Learning“ wurde zum Buzzword. Angebote gibt es seitdem überall verstreut im Netz. Aber erst mit Udemy kam ab Mai 2010 eine Plattform auf den Markt, auf der sich Kursanbieter mit Lernwilligen treffen können. E-Learning war bis dato weitestgehend proprietär, also abhängig von einer bestimmten Hard- und/oder Software, oder abhängig von Datenformaten und den entsprechenden Kanälen. Die von Eren Bali, Oktay Caglar und Gagan Biyani entwickelte Plattform bietet hingegen einen Marktplatz für interaktive und multimediale Kurse, die Lernende jederzeit und an jedem Ort per Computer, Tablet oder Smartphone absolvieren können.


Vom E-Learning zum Web-Learning


Eren Bali hat von Beginn an auf selbstständige Kursanbieter gesetzt. Deshalb können Menschen, die anderen etwas beibringen wollen, ihre Inhalte auf der Udemy- Plattform anbieten und damit Geld verdienen. Mit der richtigen Nische und Aktivität lässt sich bei Udemy sogar sehr viel Geld verdienen – es gibt bereits einige Udemy Millionäre.

 

Denn die Mehrzahl der weit über 55.000 Kurse, die aktuell angeboten werden, sind kostenpflichtig. Und das zu Recht: Die Qualität der Kurse ist durchweg hoch, die Reaktionen der Absolventen ausgesprochen positiv. Ein großer Teil des aktuellen Angebots befasst sich mit Themen der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Mithilfe von Udemy- Kursen kann man Fremdsprachen – darunter auch exotische wie Farsi und Suaheli – studieren, die Buchhaltung erlernen oder klassische Methoden des persönlichen Zeitmanagements kennenlernen Insgesamt geht es aber nicht nur um Themen, die dem Erfolg im Beruf dienen, sondern auch um jede Menge Angebote für den Freizeitbereich. Vom Musizieren über das Kochen bis hin zu ganz verschiedenen Hobbies. Der deutschsprachige Kurs “Gitarre spielen wie ein Pro “ zählt mit regelmäßig mehr als 2.000 Teilnehmern zu den Udemy-Bestsellern. In 38 Lektionen lernt man dieses Instrument nicht nur zu spielen, sondern zu beherrschen. Noch beliebter ist ein Zeichenkurs aus den USA, der in 28 Lektionen aus jedem Interessierten einen Künstler macht und weltweit gut 20.000 Menschen dazu begeistern konnte, sich für diesen Kurs einzutragen. Zunehmend werden auch klassische Schulfächer in einer wachsenden Anzahl an Sprachen angeboten, die als Ergänzung zum Unterricht genutzt werden können. Denn auch das Berufsbild des Lehrers befindet sich im Umbruch: Der Pädagoge der Zukunft wird sein Wissen geschickter präsentieren und über ein hohes technisches Wissen verfügen müssen. Die Inhaltsvermittlung wird projektorientierter und erfolgt verstärkt über den Einsatz digitaler Lösungen. Schüler und Schülerinnen werden sich den Stoff immer mehr selbst erarbeiten und anschließend präsentieren. Das Lehrpersonal braucht sich nicht mehr in allen Themen fortzubilden und auch kein Material mehr auf Papier vorzubereiten und bereitzustellen. Im Gegenzug wird mehr Freiraum geschaffen, sich um die Schüler zu kümmern und individueller auf deren Defizite einzugehen.


Udemy setzt Standards und bewertet die Kurse


Um eine hohe Qualität zu gewähren, macht Udemy den Kursanbietern strikte Vorgaben und bewertet die Kurse. Dabei werden Angebote mit einem hohen Anteil an Videoinhalten bevorzugt, rein textbasierte Lektionen sind nicht erwünscht. Um potenziellen E-Dozenten maximalen Erfolg zu ermöglichen, gibt die Plattform Kursanbietern eine Reihe von Tools an die Hand und sichert auf diese Weise die angestrebten hohen Standards. Mit den Werkzeugen können nicht nur auf Youtube oder Vimeo hochgeladene Videos, Powerpoint-Präsentationen und Kursmaterialien als PDF- und ZIP-Dateien eingebunden werden, sondern auch Live-Übertragungen von Unterrichtseinheiten. Im Mittelpunkt steht somit die Plattform, denn der Marktplatz für Kurse ist nur ein Teil des Geschäftsmodells. In Zukunft wird sich Udemy verstärkt an Unternehmen wenden, die ihre internen Aus- und Weiterbildungsprogramme auf E-Learning umstellen oder ihre bestehenden Programme optimieren wollen. Die so entstehenden Kurse könnten im jeweiligen Intranet publiziert und die Plattform auf firmeneigenen Servern gehostet werden. Auch in der unternehmensübergreifenden Fortbildung wird Udemy, vorerst noch in den USA und in Kanada, immer aktiver. Die Anzahl an Kursen, die zu anerkannten Abschlüssen oder Zertifikaten – besonders bei technischen Themen – führen, wächst ständig. Immer mehr anerkannte Bildungseinrichtungen und Organisationen steuern ihre Inhalte bei und sorgen für standardisierte Prüfungen.


E-Learning auf den Kopf gestellt


Udemy ist schon heute eine aufregende Sache. Das finden auch immer mehr Investoren und stellen dem Start-up aus dem Silicon Valley viel Kapital zur Weiterentwicklung zur Verfügung. Denn diese Form des Web-Learnings hat das Zeug dazu, die Prinzipien der klassischen Schul- und Fortbildung grundsätzlich zu verändern und vor allem Menschen in den ärmeren und strukturschwächeren Ländern den Zugang zur wichtigen Ressource Bildung zu ermöglichen.